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Inhaltsverzeichnis
 
Titel
Impressum
Vorwort
Was ist Wissenschaftsjournalismus? Eine Einleitung
 
I - Von der Wissenschaft und den Wissenschaftlern - Das Berichterstattungsfeld
Wissen ist Macht? - Facetten der Wissensgesellschaft
1. Wissens-, Informations- oder Risikogesellschaft?
2. Wachstum des Wissens? - Zur Dynamik der Disziplinen und zur Spezialisierung ...
3. Wissenschaftliches Wissen als Ressource - Experten in der Politikberatung
4. Unsicherheit, Risiko, Nicht-Wissen - Grenzen des Expertenwissens
5. Vertrauen, Skepsis, Ambivalenz - Die Öffentlichkeiten der Wissenschaft
Literatur
Wer forscht hier eigentlich? Die Organisation der Wissenschaft in Deutschland
In Einsamkeit und Freiheit
Wer bezahlt, bestellt? Oder: Woher kommt das Geld, und wo geht es hin?
Außeruniversitäre Forschungsinstitute und das Harnack-Prinzip der MPG
Wer urteilt über gute und schlechte Forschung?
Berichte über Berichte? Oder: Wem kann man trauen?
Literatur
Wissenschaftskommunikation und ihre Dysfunktionen: Wissenschaftsjournale, Peer ...
1. Der soziale und öffentliche Charakter wissenschaftlicher Methoden
2. Anno 1665: Journal des Scavans, Philosophical Transactions
3. Das Journalwesen als zentrale Institution formaler Wissenschaftskommunikation
4. Funktionen der Journale heute: Zwischen peer review und Impactfaktor
5. Peer review-Praktiken auf dem Prüfstand
6. Output- und impact-Indikatoren als Artefakte?
7. Ausgewählte Vorschläge zur Reform der Evaluationspraktiken
8. Und die Zukunft? Hybridjournale und open access
Literatur
Der Transfer von Wissen in die Industrie
Was hat sich verändert?
Strategische Partnerschaften als neue Formen des Austausches
Neue politische Initiativen treiben das Feld voran
Ausblick: Gesteigerter Erwartungsdruck - mehr Transparenz
Literatur
Die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten - eine Bewertungshilfe für Journalisten
Was ist eigentlich Wissenschaft?
Allgemeine Qualitätsmerkmale wissenschaftlicher Publikationen: Peer review und ...
Unvermeidlich: systematische Fehler und Variabilität in empirischen Forschungsarbeiten
Bias und Zufall
Bias - und was Schutzmaßnahmen wie Verblindung dagegen bewirken können
Streuung - und wie man dem Einfluss des Zufalls gerecht wird
Häufige Fehler in der Präsentation und Interpretation wissenschaftlicher Ergebnisse
Fazit
Literatur
Erfolgreich trotz Konfliktpotenzial - Wissenschaftler als Informationsquellen ...
1. Einleitung
2. Wissenschaftler als öffentliche Kommunikatoren
3. Kommunikationsprobleme
Literatur
Anhang
Mit dem Darstellungstyp verändern sich die Gegenstände. Bildskepsis als Element ...
1. Gibt es überhaupt eine Richtigkeit der Bilder? - Ferdinand de Saussure und ...
2. Weltweite Schlüsselbilder als Sozialwerkzeuge
3. Der Stufenweg wissenschaftlicher Inhalte und ihrer Visualisierung
4. Ansatzpunkte zu einer Bildkritik
Literatur
 
II - Geschichte, Formen und Aufgaben des Wissenschaftsjournalismus
Geschichte des Wissenschaftsjournalismus
1. Anfänge: 1700-1848
2. Die Pionierphase: 1848-1890
3. Zwischen Ideologisierung und Kommerzialisierung: 1890-1960
4. Etablierung und neue Medialisierung seit 1960
5. Wissenschaftsjournalismus zwischen Berufung und Beruf
Literatur
Typologie des Wissenschaftsjournalismus
Einleitung
Dominierende Wissenschaftsdisziplinen im zeitlich aktuellen Wissenschaftsjournalismus
Formen von zeitlich aktuellem, wissenschaftsgeneriertem Journalismus
Formen von zeitlich aktuellem, nicht wissenschaftsgeneriertem Journalismus
Formen von zeitlich nicht aktuellem Wissenschaftsjournalismus (Typ 3 und Typ 4)
Literatur
Quellenverzeichnis der Beispiele
Von Transmissionsriemen und Transportvehikeln - Der schwierige Weg des ...
1. Aufgabenzuweisungen der Wissenschaft an den Journalismus
2. Das Selbstbild von Wissenschaftsjournalisten
3. Haltung, oder: Vom schwierigen Versuch, mit der Kompassnadel die Wahrheit zu finden
Literatur
Reviewer oder nur Reporter? Kritik und Kontrolle als künftige Aufgaben des ...
1. Die gut funktionierende Selbstkontrolle der Wissenschaft - oder das unsanfte ...
2. Geschmeichelte Journalisten
3. Kritik, Kontrolle und die Stufen wissenschaftsjournalistischer Evidenz als ...
4. Die Rahmenbedingungen für einen kritischen und investigativen ...
5. Ausblick und mögliche Auswege für einen investigativen Wissenschaftsjournalismus
Literatur
»Die Fälle sind schwieriger« - Interview mit Hans Leyendecker zum ...
 
III - Akteure und ihr Selbstverständnis
Wissenschaftsjournalisten in Deutschland: Profil, Tätigkeiten und Rollenverständnis
1. Wissenschaftsjournalisten - eine problemorientierte systematische Einordnung
2. Soziales Profil und Ausbildung von Wissenschaftsjournalisten
3. Tätigkeitsprofile von Wissenschaftsjournalisten
4. Rollenverständnis von Wissenschaftsjournalisten
5. Fazit
Literatur
Das Ende der Langsamkeit! Veränderungen im Arbeitsalltag freier Wissenschaftsjournalisten
Nur bunt und schön war gestern! Veränderungen des Wissenschaftsjournalismus ...
 
IV - Der Markt und die Organisation von Wissenschaftsredaktionen
Für und Wider des Lebens im Getto: Wissenschaftsjournalisten in den Strukturen ...
1. Ressorts als Wahrnehmungsstruktur des Journalismus
2. Neue Modelle der Redaktion: Newsdesk und Newsroom
3. Wissenschaftsjournalisten und neue Redaktionsmodelle
4. Die Redaktion der Zukunft
Literatur
dpa und WDR - Redaktionsalltag und Redaktionsforschung
Redaktionsforschung: Die Welt der Nachrichten in Theorie und Praxis
Im dpa-Newsroom: Teamarbeit am Wissenschaftstisch
»Ressort im Getto«? Wissenschaftsjournalismus und redaktionelle Organisationsformen
Redaktionelle Routinen
Redaktionskonzepte: aktuell versus kreativ
Die Wissenschaftsredaktion des WDR-Hörfunks
Reingehört: Redaktionskonferenz beim WDR
Leonardo und Forschung Aktuell
Leonardo: Hörernähe und eine bunte Mischung von Radioformen
Herausforderung Online-Journalismus. Aktualität, Hintergrund und ...
Literatur
Wie man einen Redakteur ärgert
Nachtrag: Was tun, wenn der Redakteur sich ärgert?
Literatur rund ums Thema Freie
Marktplatz Wissenschaftsjournalismus
Zeitungen
Zeitschriften
Wissenschaft im Hörfunk
Wissenschaft im Fernsehen
Wissenschaft online
Literatur
Die Stunde der Brand extensions - Zur Entwicklung des Markts der populären Wissenszeitschriften
Ausgangslage Anfang 2004: schlummernde Potenziale
Das Scheitern des Gegen-Geo als medienwirtschaftliches Lehrbeispiel
Die Stunde der Brand extensions
Marktausblick
Literatur
Chancen der Wissenschaft im Regionalen
 
V - Berichterstattung, Umsetzung und Wirkung
V.1 - Recherche - Basis der Berichterstattung
»Wie seriös ist Dr. Boisselier?« - Quellen und Recherchestrategien für Themen ...
Google ist Silber, Zuhören ist Gold! Wer seinen Gesprächsstil an verschiedene ...
V.2 - Public Relations und Wissenschaftsjournalismus
Der Einfluss von Wissenschafts-PR auf den Wissenschaftsjournalismus
Wissenschafts-PR poliert Images, Bürgern und Journalisten dient sie nicht - ...
Journalisten, Bürger und Wissenschaftler: Wissenschafts-PR bringt sie an einen ...
PR-Arbeiter und Journalist: Geht beides?
V.3 - Sprache und Verständlichkeit
Chancen und Risiken von Metaphern am Beispiel der Naturwissenschaften
Kommune des Vergessens oder: Recherche mit Rücksicht
Was sind gute Bilder im TV?
Wissenschaft im Hörfunk: Auf gute O-Töne kommt es an!
»Verstorbene Patienten sind eine Goldgrube.« Wider den schlechten Stil freier Wissenschaftsjournalisten
V.4 - Wirkung und Rückwirkung
Risiken in den Medien und ihre Effekte auf Wissenserwerb und Risikobewertungen
Hoffen auf Heilung - Der Krebsinformationsdienst und die Medien
V.5 - Mediennutzung und Medienbewertung
Zwischen Lust und Lernen - Wissens- und Wissenschaftssendungen: Ergebnisse, ...
Die systematische Überforderung des Rezipienten und das Wissenschaftsfernsehen ...
 
VI - Wissenschaftsjournalismus international
Science Journalists Face Different Situations but Cooperate Worldwide
Science Journalists Worldwide
First steps in Tokyo in 1992
Budapest 1999: the idea of a world federation
The World Federation of Science Journalists
Different state of science journalism
A mentors network for science journalists
Literature
Wissenschaftsjournalismus in Europa
Literatur
Wissenschaftsjournalismus in den USA: Eindrücke eines Korrespondenten
Ähnliche Quellen, fremde Kulturen
Die Macht der Editors und die Meinungs(un)freiheit der Reporter
Literatur
 
VII - Zukunft und Ausblick
Wie viel Wissenschaft braucht der Wissenschaftsjournalismus? Wandlungen und ...
Berufsbild mit Brechungen
Die Tripel-Kompetenz des Wissenschaftsjournalismus
Die Ausbildung: garnieren oder integrieren?
Master-Studiengänge als Perspektive
Erweiterte Kompetenzen
Literatur
Narrative Style in Science Journalism
Literature
»Ich schau das mal eben im Netz nach!« Wie das Internet den ...
Einleitung
1. Das Internet demokratisiert den Zugang zum Wissen
2. Wenn das Publikum mitmacht: Leserwissen und crowdsourcing
3. Hier schreibt der Wissenschaftler selbst
4. Neue Publikationsformen für Wissenschaftsjournalisten: Weblogs
5. Neue Produktionsformen: Crossmedia
Ausblick
Literatur
Ist der Platz zwischen allen Stühlen der richtige Ort? Essay über die Frage, ...
Literatur
 
Die Autorinnen und Autoren

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Ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit
wird in diesem Buch vorwiegend die männliche Sprachform verwandt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
 
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Vorwort
Dieses Buch ist als Teil des »Qualifizierungsprogramms Wissenschaftsjournalismus« entstanden. Mit diesem gemeinsamen Projekt (www.bertelsmann-stiftung.de/verlag) haben sich die Bertelsmann Stiftung, die BASF Aktiengesellschaft und die VolkswagenStiftung zum Ziel gesetzt, die Qualität der journalistischen Berichterstattung über Wissenschaft in Deutschland nachhaltig zu fördern. Das Programm (Laufzeit: 2002-2007) umfasste ein differenziertes Paket an neuen Aus- und Weiterbildungsangeboten für Journalisten und Wissenschaftler.
Herzstück waren die fünftägigen Weiterbildungsseminare für Redakteure und freie Journalisten (vor allem aus Regional- und Publikumsmedien), bei denen das Erlernen von Recherchestrategien und das Stärken der Beurteilungsfähigkeit im Mittelpunkt standen. Hinzu kamen kleinere (dreitägige) formatspezifische Seminare für TV und Radio, bei denen dramaturgische und technische Fragen aufgegriffen wurden.
Mit zwei jeweils neunmonatigen Mentoringprogrammen 2004 und 2006 wollten wir Naturwissenschaftlern u.a. durch mehrmonatige Praktika bei führenden Medien den Einstieg in den Journalismus erleichtern. Die Sommerakademien 2005 und 2007 sollten jungen Journalisten aus Leitmedien Einblicke in die Forschungsszene in den USA (New York, Boston) und Asien (Indien, China, Singapur) und deren journalistische Strukturen bieten.
Mit einem jährlichen Dialogforum namens »Wissenswerte« wollten wir Wissenschaftsjournalisten, Wissenschaftskommunikatoren und medieninteressierte Forscher zusammenbringen. Seit der Premiere im November 2004 stößt diese Konferenz auf große Nachfrage. Schließlich haben wir den Start neuer Studiengänge unterstützt: Im Rahmen einer Ausschreibung wurden der Bachelor-Studiengang der FH Darmstadt und neue Module des bereits zuvor existierenden Bachelor-Studiengangs an der Universität Dortmund gefördert.
Warum nun dieses Buch? Zum einen soll es eine Art Bilanz der Projektarbeit sein; zum anderen sind wir bei unseren Veranstaltungen immer wieder auf den Bedarf nach einem Buch gestoßen, das Theorie und Praxis des Wissenschaftsjournalismus umfassend abbildet. Dieser Bedarf von Journalisten nach Reflexion jenseits des hektischen Berufsalltags, nach Diskussionen über Rollenbild, Fragen der Qualitätssicherung, ethische und ökonomische Rahmenbedingungen offenbarte sich beispielsweise bei den über 30 abendlichen »Kamingesprächen« mit renommierten Wissenschaftsjournalisten, die wir im Rahmen der Seminare durchgeführt haben und die vor allem die Frage nach dem beruflichen Selbstverständnis zum Thema hatten.
So haben wir viele der Autoren dieses Buches im Kontext der Seminare kennengelernt, und aus diesem Kreis konnten wir schließlich auch zwei Experten als (Mit-)Herausgeber für das Buchprojekt gewinnen: Dr. Markus Lehmkuhl von der FU Berlin als ausgewiesenen Kenner des kommunikationswissenschaftlichen Forschungsstands und Prof. Holger Wormer vom Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der Universität Dortmund, der überdies lange Jahre in der journalistischen Praxis - im Ressort Wissenschaft der Süddeutschen Zeitung - tätig war.
Der Versuch, Theorie und Praxis in diesem Buch zu verbinden - etwas, was wir liebevoll »Hybrid-Charakter« genannt haben -, spiegelt sich also auch im Herausgeber-Kreis. Diese Besetzung führte zunächst zu einer intensiven Konzeptionsphase, und auch bei der Textarbeit haben wir uns das Leben nicht leicht gemacht: Alle Herausgeber haben alle Texte redigiert, und in einem regelrechten Review-Verfahren haben wir unser Feedback an die Autoren zurückgespielt. Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich bei den Autoren bedanken - nicht nur für ihre Kreativität und Kompetenz, sondern auch für ihre Geduld, die angesichts der aufwendigen Review-Methode zuweilen vonnöten war. Wir hoffen, dass nicht zuletzt dieses Verfahren qualitativ so hochwertige Texte zustande gebracht hat, dass sie das »Hybrid«-Experiment aufgehen lassen und den Aufwand rechtfertigen.
Gleichwohl gäbe es diesen Sammelband nicht ohne die Unterstützung vieler, die an unterschiedlichen Stellen mit großem Engagement dazu beigetragen haben, dass er entstehen konnte. Unser Dank gilt hier vor allem Anna-Lena Gehrmann, Annika Keysers, Sonja Hunscha und besonders Felix Berthold für die Recherche- und Textarbeiten und Christiane Raffel für die Verlagsarbeiten. Ebenso sind wir unserer Kollegin Sonja Pagenkemper, die uns während des gesamten Projekts perfekt unterstützt hat, zu tiefem Dank verpflichtet.
Darüber hinaus möchten wir uns bei Lilo Berg, Irene Meichsner, Barbara Ritzert, Jan Lublinski und Volker Stollorz für das erste Brainstorming zu diesem Buch in Köln bedanken - ebenso bei vielen weiteren Journalisten, Wissenschaftlern, Referenten und Mentoring-Betreuern, die uns im Laufe des Projekts mit Anregungen, Rat und Tat zur Seite gestanden haben, hier aber nicht alle aufgeführt werden können.
Schließlich bedanken wir uns ganz besonders bei unseren Projektpartnern BASF AG und VolkswagenStiftung - namentlich bei Christian Böhme, Dr. Heinrich Reitz, Christian Schubert und Prof. Dr. Hagen Hof - für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die engagierte Unterstützung in den vergangenen fünf Jahren.
 
Im März 2008
Holger Hettwer und Franco Zotta

Was ist Wissenschaftsjournalismus? Eine Einleitung
Markus Lehmkuhl, Holger Hettwer, Holger Wormer, Franco Zotta
 
 
 
 
 
 
 
 
Science matters!? Science frightens!? Science sells!? Wir starten fremdsprachig, wir starten in der Lingua franca einer - glaubt man einschlägigen Befunden (Weingart 2001) - zwar einflussreicher werdenden, doch eigenen Welt: der Welt der Wissenschaft. Die Metapher einer speziellen Welt ist Ausdruck der Alltagserfahrung, dass sich Sprache und Gebräuche unterscheiden, je nachdem, in welcher Welt man sich gerade befindet.
002
Wissenschaftsjournalisten - oder wie wir uns bei ProSieben bezeichnen: WISSENSJOURNALISTEN - haben meiner Ansicht nach die Aufgabe, Bindeglied zu sein zwischen der komplexen Welt der Wissenschaftler und ihren Themen und dem Zuschauer oder Leser. Wir haben also die Aufgabe, relevante wissenschaftliche Ergebnisse für unsere Zuschauer zu übersetzen, sie nachvollziehbar zu machen. Verantwortung, Neugier, Unvoreingenommenheit und Kreativität - das sind Schlüsselkriterien, die sowohl ein gutes wissenschaftliches, aber auch ein journalistisches Vorgehen beschreiben. Wir Journalisten sollten dabei nie dozieren - sondern faszinieren und unterhalten. Denn nur wer das Herz gewinnt - kann den Geist berühren!
Aiman Abdallah (Foto: © ProSieben/Holger Rauner)
Moderator von Galileo (ProSieben)
Man denke nur an die Welt des Sports. Dort werden Menschen wie Franz Beckenbauer zu neuzeitlichen Heroen gemacht. Derselbe Mensch (kann man sich da sicher sein?) wird in der Welt der Hochkultur zum »Firlefranz« (Gertz 2002) gestutzt, der in aristokratischem Gestus dummes Zeug erzählt. Akademisch gesprochen ist Franz Beckenbauer in der Welt der Hochkultur nur als Firlefranz anschlussfähig; nur als Firlefranz kann er Gegenstand hochkulturellen Räsonierens werden. Aber: Wer ist Franz Beckenbauer wirklich? Er ist Heros, er ist Firlefranz, er ist... ganz nett, wahrscheinlich. Franz Beckenbauer hat jedenfalls nicht nur eine Seite. Was er für die meisten ist, hat seinen Grund überwiegend in der medialen Inszenierung seiner Person.
Was Wissenschaftsjournalismus ist, kann man womöglich nicht besser beantworten als die Frage, wer Franz Beckenbauer ist. Eines kann man allerdings mit Sicherheit sagen, nämlich was Wissenschaftsjournalismus nicht ist. Wissenschaftsjournalismus ist nicht ein Spiegel, der eins zu eins zurückwirft, was sich in der Welt der Wissenschaft ereignet. Journalismus über Wissenschaft ist nicht Medium im Sinne eines überkommenen Schamanentums. Journalismus kann sich ebenso wenig wie ein Schamane zu einem Medium dematerialisieren, durch das ein anderer spricht, selbst wenn dieser Glaube in Theorie und Praxis bis heute mitunter anzutreffen ist (z. B. Kua et al. 2004).
Dass Medien die Wirklichkeit nicht eins zu eins abbilden können, sich nicht dematerialisieren können, lässt sich an einem weiteren Beispiel aus der Welt des Sports gut veranschaulichen. Wer einerseits noch niemals selbst in einem großen Fußballstadion war, aber regelmäßig live dabei ist, wenn die Nachfahren des großen Franz im Fernsehen auf Torjagd gehen, und wer andererseits regelmäßig die Spiele seines Kreisligaklubs am Rand des Spielfelds verfolgt, dem wird ein Unterschied zwischen der Bundesliga und der Kreisliga unmittelbar ins Auge fallen: Das gegnerische Tor ist viel weiter weg; das Spielfeld der Kicker hat in der Kreisliga eine ganz andere Dimension.
Tatsächlich stimmt das - abgesehen von den vom DFB erlaubten Toleranzen - natürlich nicht, denn das mediale Wirklichkeitsbild entsteht durch die Kameraoptik. Sie sorgt dafür, dass eine bestimmte Vorstellung über die Größenverhältnisse in einem Stadion entsteht: Wirklichkeit wird mithin nicht bloß abgebildet, sondern in der Darstellung als etwas Neues konstruiert. Medienwissenschaftler nennen das eine mediale Konstruktion von Wirklichkeit.
Wenn mediale Konstruktionen nicht mit persönlichen Eindrücken abgleichbar sind, dann bleibt die mediale Konstruktion von Welt in der Regel verdeckt. Die Wirklichkeitsbilder, die bei der Bevölkerung entstehen, sind häufig weniger an eigenen Erfahrungen orientiert als an Eindrücken, die die Medien präsentieren. Auch für die Welt der Wissenschaft gilt das: Zu ihr haben die meisten Menschen keinen direkten Zugang. Mediale Rekonstruktionen dominieren ihre Vorstellungen über diese Welt (Merten und Westerbarkey 1994).
Nur wenige reale Menschen tragen beispielsweise zu dem Bild bei, das sich die Bevölkerung über Wissenschaftler macht: Isaac Newton, Marie Curie und besonders Albert Einstein gehören zu diesen wenigen Menschen. Wissenschaftlern, die lange nicht mehr leben, wird eine einflussreiche Bedeutung auf die Stereotype zugemessen, die über Wissenschaftler existieren (Görke und Ruhrmann 2003). Und ältere amerikanische Umfragen unter High-School-Schülern ergaben folgenden typischen Wissenschaftler: männlich, mittelalt, entweder glatzköpfig oder mit Wuschelkopf (wie Einstein), der in Labors einsam vor sich hin werkelt. Er arbeitet an Dingen, die den Befragten verdächtig scheinen, an geheimen und gefährlichen Dingen (Haynes 1994).
Eine Umfrage unter Lesern des New Scientist ergab gleichfalls kein sonderlich ermunterndes Resultat. Eine Mehrheit der Leser, die selbst vorwiegend keine Wissenschaftler sind, belegte den typischen Wissenschaftler mit Attributen wie unsozial, verschlossen und spleenig. Roslynn Haynes konstatiert daher: »Dr. Faustus, Dr. Frankenstein, Dr. Moreau, Dr. Jekyll, Dr. Caligari, and Dr. Strangelove have been extremely influential in the evolution of the unattractive stereotypes that continue in uneasy coexistence with the manifest dependence of Western society on its scientists« (Haynes 1994: 1).

Dem stehen auf der anderen Seite fraglos einige Helden der Forschung und Retter der Menschheit gegenüber, die nicht weniger stereotypisiert sind: Da gibt es die klügsten Köpfe der Menschheit, die (übrigens meist tatsächlich männlich, mittelalt bis alt und weißhaarig!) alljährlich in Stockholm mit dem Nobelpreis geehrt werden. Da gibt es die Romanfiguren, die so verwegen wie Westernhelden (aber natürlich viel schlauer!) in Bestsellern wie Der Schwarm (2004) die Menschheit retten wollen. Und da gibt es allen voran Albert Einstein als Pop-Ikone der Wissenschaft, dessen Gesicht man in der Werbebranche als »Logo für Genie« bezeichnet hat (Iglhaut 2006).
003
Wir leben in einem High-Tech-Zeitalter, Innovationen bestimmen unseren Alltag. Dennoch zeigen viele Menschen Vorbehalte gegenüber neuen Technologien. Kompetenter Wissenschaftsjournalismus kann helfen, das Verständnis für Forschung und Technologie in unserer Gesellschaft zu verbessern. Mehr Begeisterung für Forschung und mehr Offenheit gegenüber Innovationen wären gerade am Standort Deutschland von großer Bedeutung. Wenn die Berichterstattung darüber hinaus zeigt, dass Forschung in aller Regel von verantwortungsbewussten Menschen gemacht wird, die selbst Verbraucher und Bürger sind und die offen mit Ängsten und Kritik umgehen, schafft das Vertrauen in die Zukunft.
Dr. Stefan Marcinowski
Vorstandsmitglied der BASF Aktiengesellschaft und Sprecher der Forschung
004
Wissenschaftsjournalismus soll den Menschen helfen, einen Teil der Welt besser zu verstehen. Wo liegen die Ursachen und Gefahren des Klimawandels? Welche Vorund Nachteile hat ein neues Medikament? Natürlich kann er auch eine interessante Lesegeschichte bieten wie z. B. einen Beitrag über die Zukunftsplanung von Vögeln.
Simone Humml
Leiterin der Wissenschaftsredaktion der Deutschen Presse-Agentur (dpa)
Wie alle Menschen werden auch Journalisten von gängigen - positiven wie negativen - Stereotypen über Wissenschaft und Wissenschaftler beeinflusst. Und so verwundert es nicht, dass sich solche Repräsentationen auch im Journalismus niederschlagen und sich dadurch womöglich weiter verfestigen.
Beispiel Klon-Schaf Dolly: Der Kommentator des Hellweger Anzeigers, einer Lokalzeitung, lässt sich offenbar genau von solchen Stereotypen leiten, wenn er schreibt, dass im Angesicht von Dolly so »manchem angst und bange wird. Vor allem weiß man ja nicht, was sich sonst noch alles in den Labors abspielt, welche Versuche sonst noch durchgeführt werden, um der Schöpfung nicht nur ins Handwerk zu pfuschen, sondern sie geradezu ad absurdum zu führen« (Kracht 1997: 2). Wer will daran zweifeln, dass genau dieses Bild in der Welt von Unna, wo der Hellweger Anzeiger erscheint, anschlussfähig ist? Genauso wie knapp acht Monate nach dem Bekanntwerden von Dollys Geburt die neu verkündeten Nobelpreishelden von Stockholm anschlussfähig gewesen sein dürften.
Wissenschaftsjournalismus ist - wie jede Art von Journalismus - Produktion von Konstruktionen, die durch etwas ausgelöst werden, das der sich ständig wandelnden Welt der Wissenschaft zuzurechnen ist. Entsprechend facettenreich ist das Bild, das der Journalismus von der Wissenschaft zeichnet. Sie ist Heros, sie ist Angstmacher, sie ist - zwischen Radio eins und Wigald Boning - sogar Firlefanz zuweilen, sie ist... ganz interessant, wahrscheinlich. Wissenschaftsjournalismus hat eben nicht nur eine Seite. Und es hat Gründe, warum er ist, was er ist.
Was als Wissenschaftsjournalismus tagtäglich in Medien erkennbar wird, ergibt sich aber nicht nur aus Stereotypen über Wissenschaft und Wissenschaftler, die Redakteure mit sich herumtragen. Es gibt ein ganzes Bündel an Faktoren, die Einfluss auf die Identität des Wissenschaftsjournalismus nehmen. Wegen der ansonsten überbordenden Komplexität bietet es sich an, diese ineinandergreifenden Faktoren zu trennen und sie einzelnen Kontexten zuzuordnen.
Dieses Buch folgt daher über weite Strecken dem Vorschlag von Siegfried Weischenberg, der in seinem Lehrbuch der Journalistik in einer Art Zwiebelmodell Normenkontext, Strukturkontext, Funktionskontext und Rollenkontext des Journalismus unterscheidet (Weischenberg 1992 und 1995). Die Anlehnung an Weischenberg macht deutlich, was eigentlich nicht der Erwähnung bedürfte: Wissenschaftsjournalismus ist Journalismus! Seine Identität wird deshalb von denselben Faktoren beeinflusst wie der Journalismus insgesamt. Politisch motivierte Aufgabenzuweisungen an den Journalismus (Normenkontext), Werthaltungen und Ausbildungsstandards der einzelnen Journalisten (Rollenkontext), ökonomische und organisatorische Bedingungen (Strukturkontext), Publikumserwartungen und Zugänglichkeit von Quellen (Funktionskontext) ergeben zusammen das, was wir die Identität(en) des Journalismus nennen können.
Wenn es allerdings nicht auch spezielle Aspekte innerhalb dieses Rahmens der Welt des Journalismus gäbe, wenn es keine spezifischen Probleme gäbe, die in dieser Form nur der Wissenschaftsjournalismus hat, dann wäre das Buch an dieser Stelle zu Ende. Dem Wissenschaftsjournalismus eigene Probleme zeigen sich aber beispielsweise bei der Themenselektion, der Arbeitsorganisation, dem Umgang mit seinem Berichterstattungsfeld etc. Schon früh wurde darauf hingewiesen, dass eine Beschäftigung mit diesem Thema nur sinnvoll ist, wenn auch solche speziellen Aspekte existieren (Ruß-Mohl 1985). Wir sind überzeugt: Sie existieren!
Was Wissenschaftsjournalismus als eine Form von Journalismus von anderen Formen des Journalismus unterscheidet, ist das Berichterstattungsfeld, auf das sich diese Faktoren beziehen: die Welt der Wissenschaft. Die Identität dieses Journalismus hängt natürlich ebenfalls davon ab, ob er einer Zensur unterworfen ist oder ob er subventioniert wird. Was Wissenschaftsjournalismus ist, ergibt sich insofern immer auch daraus, was Journalismus ist. Das muss immer mitbedacht werden, weil diese allgemeinen Aspekte in diesem Buch nur am Rande erwähnt werden können.
Seine Identität, das also, was ihn als Wissenschaftsjournalismus auszeichnet und besondere Probleme mit sich bringt, ergibt sich also zusätzlich zu den für den Journalismus allgemein gültigen Faktoren zum Beispiel aus verschiedenen Überzeugungen, was Wissenschaft für die Gesellschaft eigentlich bedeutet. Sie ergibt sich zusätzlich aus den Einschätzungen und Erwartungen seines Publikums bezogen auf die Wissenschaft, sie ergibt sich zusätzlich daraus, wie die Wissenschaft ihre Beziehungen zum Journalismus gestaltet, sie ergibt sich zusätzlich aus den Einstellungen der Journalisten gegenüber der Wissenschaft etc.
Ein Beispiel mag das veranschaulichen: Warum sich der Wissenschaftsjournalismus in Osteuropa zu Vorwendezeiten von dem in Westeuropa unterschied, lässt sich nicht zuletzt aus dem Umstand erklären, dass Journalismus Teil der staatlichen Gewalt war. Fortschritt war Staatsdoktrin, Wissenschaft eine Maschinerie, die dem Fortschritt zu dienen hatte. Entsprechend war die Identität des Wissenschaftsjournalismus dadurch gekennzeichnet, Wissenschaft als Heros zu stilisieren.
In Artikeln der überregionalen bulgarischen Zeitung Rabotnichesko Delo dominierte im Zeitraum zwischen 1946 und 1994 eine positive Haltung gegenüber Wissenschaft: Nach Angaben von Kristina Petkova et al. kamen in einer Stichprobe lediglich in rund 12 Prozent der Artikel auch schädliche Auswirkungen zur Sprache. Die im gleichen Zeitraum untersuchte britische Presse thematisierte hingegen in gut 41 Prozent der Artikel schädliche Auswirkungen wissenschaftlicher Forschung (Petkova 2000).1
Dennoch kann Wissenschaft eben auch in der freien Welt vorrangig Heros sein, sie kann verklärt werden zu einer fast übernatürlichen Kraft, die die Grenzen unseres Wissens ständig erweitert (Christidou et al. 2004: 358). Wissenschaft kann in einer bestimmten Gesellschaft als alternativlose Triebkraft eines technischen Fortschritts hin zum Besseren gelten. Die Feststellung des bloßen Fortschreitens kann in einer Gesellschaft - abhängig von deren Entwicklungsstand - normativ aufgeladen sein (Rapp 1992: 26 ff.). Und solche gesellschaftlichen Gemengelagen nehmen Einfluss auf das, was Wissenschaftsjournalismus ist.
Wenn Wissenschaft in alltägliche, manchmal uralte Lebenszusammenhänge eingreift, dann ist sie selbstverständlich von herausgehobenem Interesse für den Journalismus, der in der Welt der Wissenschaft nach solchen Aspekten sucht, die für andere Welten anschlussfähig sind und dort Relevanz besitzen (Kohring 2005). Es gibt Indizien dafür, dass sich diese Bezogenheit der Wissenschaft mehr und mehr verändert, dass die gesellschaftlichen Bezüge zwischen der Welt der Wissenschaft und anderen Welten zahlreicher werden (Weingart 2001).2 Diese Veränderungen werden als die Verwissenschaftlichung der Gesellschaft etikettiert - bis hin zur Wissensgesellschaft, Informationsgesellschaft oder Risikogesellschaft. Der erste Teil dieses Buches widmet sich diesen Zusammenhängen. Sie bilden die Basis für die Beschäftigung mit strukturellen Prozessen innerhalb der Wissenschaft, die für den Journalismus relevant sind.
Dass Entwicklungen in der Wissenschaft selbst und in den Beziehungen der Wissenschaft zur Politik oder zur Wirtschaft am Anfang eines solchen Buches stehen, ist an sich nicht neu. In der Vergangenheit wurden Entwicklungen der Wissenschaft häufig als Grundlage gewählt, um den auf sie bezogenen Journalismus zu erörtern. Die vermeintlich zunehmende Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft schuf den Resonanzboden, auf dem die Zuweisungen bestimmter Aufgaben widerhallten (Ruß-Mohl 1987: 9 ff.). Diese Rolle hat die Darstellung der Entwicklungen in der Wissenschaft in diesem Buch nicht. Im ersten Teil versammeln wir vielmehr Aspekte aus der Welt der Wissenschaft, die für ein aufgeklärtes journalistisches Handeln besonders wichtig sind.
Was aber gilt überhaupt als aufgeklärtes journalistisches Handeln, wenn es um die Betrachtung der Welt der Wissenschaft geht? Niemand wird daran deuteln, dass die Information der Bürger zu den Kernaufgaben des Journalismus in einer Demokratie zählt. Allerdings ist die konkrete Bedeutung dieser Kernaufgabe bezogen auf die Wissenschaft einem Wandel unterworfen, der besonders durch zwei Dinge beeinflusst ist: erstens von der Einschätzung, wie segensreich die Wissenschaft nun wirklich für die Gesellschaft ist und wie abhängig die Gesellschaft von der Wissenschaft ist. Und zweitens von der Einschätzung, was Journalismus generell für die Gesellschaft leisten soll, und womöglich auch, wie abhängig die Gesellschaft vom Journalismus ist.
Zu Zeiten des Sputnik-Schocks sah sich die Wissenschaft auch in der westlichen Welt in den Dienst des Kalten Krieges gestellt. Die gesellschaftliche Stellung der Wissenschaft zu stärken wurde auch zur Aufgabe des Journalismus erklärt. Seinerzeit forderte man angesichts der Bedrohung wissenschaftlicher Potenz durch vermeintlich kollektives Desinteresse in der westlichen Welt mehr und vor allem populärere Darstellungen über Naturwissenschaft (Lewenstein 1995).
Journalismus sollte helfen, die Akzeptanz von Wissenschaft als der entscheidenden gesellschaftlichen Innovationskraft zu steigern. Journalismus sah sich in den Dienst der guten wissenschaftlichen Sache gestellt. So forderte beispielsweise der Wissenschaftler Heinz Maier-Leibnitz, dass der Laie »der Wissenschaft vertrauen [muss], weil er ihre Sprache nicht versteht, aber er will Begründungen dafür sehen, daß dieses Vertrauen berechtigt ist. Dies [...] sind sozusagen klassische Aufgaben der Popularisierung« (Maier-Leibnitz 1987: 27).
Heute fordert man häufig ebenfalls mehr, vor allem aber kritischere Berichterstattung über Wissenschaft: »The goal of science journalism ist not to promote science, but rather to create an informed public who are: Aware of the social, political and economic implications of scientific activities, the nature of evidence underlying decisions, and the limits as well as the power of science as applied to human affairs« (Metcalfe und Gascoigne 1995: 411 f.).
Aus dieser Perspektive heraus wird nicht bestritten, dass die Gesellschaft insgesamt großes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Wissenschaft setzt. Sehr wohl bestritten wird jedoch die Ansicht, dass sich daraus eine Verpflichtung des Journalismus ergäbe, Gründe für dieses Vertrauen zu verbreiten und so zu tun, als sei die Vertrauenswürdigkeit ein generelles Wesensmerkmal von Wissenschaft. Gerade weil die Gesellschaft auf die Wissenschaft vertraut, besteht die Aufgabe des Journalismus ganz im Gegenteil darin, auch solche Ereignisse zu veröffentlichen, die geeignet sind, dieses Vertrauen zu erschüttern.
Diese Sicht wiederum ist dadurch motiviert, dass sich wissenschaftliche Betätigung schon lange nicht mehr nur als eine wertfreie, rationale Suche nach Wahrheit verstehen lässt. Wissenschaftliche Betätigung in den Naturwissenschaften ist vielmehr immer auch auf die gesteigerte Verfügungsgewalt über die Natur gerichtet, sie ist, in der Sprache des Philosophen Max Scheler (1874-1928) gesprochen, nachgerade triebhaft durch den Willen zur Macht oder zum Profit gesteuert (Knoblauch 2005: 90 ff.).
Diese Triebhaftigkeit erschließt sich selbstverständlich nicht nebenbei aus der Lektüre von Aufsätzen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Sie muss gesondert recherchiert und den Bürgern zur Kenntnis gebracht werden. Denn, so argumentiert Ralf Kleindiek, Entscheidungen über den Zugriff auf die Natur seien durchaus nicht Sache der Wissenschaft allein - auch die grundgesetzlich garantierte Forschungsfreiheit deckt ein solches Begehren eher nicht (Kleindiek 1998: 113, 129) - sie sei Sache der gesamten Bürgerschaft. Oder im Sinne von Friedrich Dürrenmatts Komödie Die Physiker (Uraufführung 1962) formuliert: »Der Inhalt der Physik geht die Physiker an, die Auswirkung alle Menschen. Was alle angeht, können nur alle lösen« (Dürrenmatt 1980).
Die skizzierten unterschiedlichen Aufgabenzuweisungen an den Wissenschaftsjournalismus haben im Laufe der Zeit durchaus nebeneinander bestanden. Wenngleich heute vielleicht die letztgenannte Sichtweise dominiert, ist Akzeptanzbeschaffung für die Wissenschaft aus dem Aufgabenkatalog des Journalismus nicht gänzlich verschwunden. Die Vorstellungen vieler Naturwissenschaftler sind auch heute vielfach noch davon geprägt, Journalismus zu einem Akzeptanzbeschaffer zu degradieren oder zumindest als Partner zu vereinnahmen.
Gemeinsam ist den Aufgabenzuweisungen an den Wissenschaftsjournalismus, dass sie geleitet sind von der Frage, was Wissenschaft eigentlich ist. Aus dem Verständnis heraus, was Wissenschaft für die Gesellschaft leistet, ergeben sich Anforderungen, die an den Journalismus zu stellen sind. Solche normativ geprägten Erwägungen strahlen auf das aus, was im Verlauf der Geschichte jeweils die Identität des Wissenschaftsjournalismus ausmacht. Sie konstituieren das, was wir hier in Anlehnung an Weischenberg den Normenkontext des Wissenschaftsjournalismus nennen. Darum geht es im zweiten Teil.
Damit ist erst wenig über das Selbstverständnis der Wissenschaftsjournalisten gesagt. Dabei ging man in der Frühzeit der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Journalismus davon aus, dass die Identität des Journalismus vorrangig durch die Journalisten bestimmt werde. Journalismus wurde vornehmlich als eine Art von Autorenkino verstanden. Was Journalismus ist, hing von den Persönlichkeiten ab. Später hatte sich die Journalistik von dieser Haltung zeitweise weit entfernt, das Individuum spielte kaum noch eine Rolle, es wurde zu einem vernachlässigten Rädchen im Getriebe, sodass es sogar nötig erschien, das Individuum später wieder in den Journalismus zurückzuholen und zu rehabilitieren (Weischenberg 2003).
Trotz der vielen Zwänge, denen ein Journalist tagtäglich ausgesetzt ist, halten auch wir es für sinnvoll, ihn in den Blick zu nehmen. Besonders deutlich wird die Bedeutung des Einzelnen gerade in einem häufig vom Alleinredakteur oder Klein-Ressort bestimmten Wissenschaftsjournalismus etwa an jenen Tagen, an denen ein neuer Durchbruch aus der Stammzellforschung oder der Grünen Gentechnik verkündet wird: Wenn der damit üblicherweise befasste Wissenschaftsjournalist zufällig erkrankt ist, dreht sich die Kommentierung durch einen Ersatzmann selbst bei Leitmedien schnell um 180 Grad.
Es bleiben im Wissenschaftsjournalismus immer Freiräume, die der Einzelne je nach seinem Selbstverständnis, seiner Wertorientierung, seinem Ausbildungshintergrund unterschiedlich ausfüllt. Aus diesem Grund wollen wir im dritten Teil einiges zusammentragen, was über die Wissenschaftsjournalisten in Deutschland und deren Selbstverständnis in Erfahrung zu bringen ist.
In eine Organisation der Aussagenproduktion sind Journalisten bei all ihrer Individualität dennoch eingebunden. Und sie arbeiten in der Regel für Institutionen, die den Gesetzen der Marktwirtschaft gehorchen; »Science sells!« ist fast schon zu einem abgedroschenen Slogan geworden. Wie Redaktionen ihre Wahrnehmungen organisieren und die Anpassung an die jeweiligen Markterfordernisse hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie Wissenschaftsjournalismus erscheint. Trotz des schnellen Wandels ist es sinnvoll, den Markt in verschiedenen Medien und Formaten einmal einer Momentaufnahme zu unterziehen. Diesen Zusammenhängen ist der vierte Teil vorbehalten.
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Der deutsche Wissenschaftsjournalismus ist, das liegt am wirtschaftlichen Zustand der Publizistik, hoffnungslos unterfinanziert. Gespart wird an den Kosten der Recherche. Die Folge: Er hängt am Tropf der großen Forschungsjournale, ist überwiegend unkritisch und ergebnisfixiert. Guter Wissenschaftsjournalismus nimmt sich die Wissenschaft zum Gegenstand: also nicht deren Resultate allein, sondern ihren Entstehungsprozess, und der ist ein sozialer Vorgang. Und die Loyalität des guten Wissenschaftsjournalisten gilt dem Publikum, nicht dem Wissenschaftsbetrieb.
Gero von Randow
Chefredakteur von Zeit online und Mitherausgeber des Magazins Zeit Wissen
Damit Wissenschaftsjournalismus unabhängig von normativen Aufgabenzuweisungen und Rollenverständnissen funktioniert, sind Wissenschaftsjournalisten wie alle Journalisten in der täglichen redaktionellen Realität auf Quellen angewiesen. Ihre Vertrauenswürdigkeit abzuschätzen gehört zu den größten Schwierigkeiten, denen sich der Journalismus im Allgemeinen und der Wissenschaftsjournalismus (vielleicht?) im Besonderen gegenübersieht.
Entgegen der einschlägigen Auffassung, Wissenschaft sei ein schwieriges Recherchefeld, gibt es einen ganzen Strauß von Möglichkeiten, die es einem Journalisten ermöglichen, die Vertrauenswürdigkeit und Expertise einer Quelle abzuschätzen. Ja, er kann sie sogar einfachen formalen Prüfungen unterziehen, wie sie in anderen Ressorts oft nicht zur Verfügung stehen - etwa bei der Berichterstattung aus der Welt der Politik. Solchen praktischen Hilfsmitteln für das Finden und Abschätzen wissenschaftlicher Expertise wendet sich das Buch im fünften Teil zu, der nach dem Funktionskontext des Wissenschaftsjournalismus fragt. Darüber hinaus ist hier Wissen darüber versammelt, welche Probleme bei der Informationsbeschaffung auftreten können, welche Effekte Wissenschaftsjournalismus zeigt und wer ihn nutzt (soweit sich besonders Letzteres beantworten lässt).
Im sechsten und siebten Teil werfen wir schließlich einen Blick auf den internationalen Wissenschaftsjournalismus, dessen Vernetzung gemessen am hohen Internationalisierungsgrad der Welt der Wissenschaft selbst noch am Anfang zu stehen scheint. Dabei könnten gerade hier Märkte und Herausforderungen der Zukunft liegen: Etwa wenn es darum geht, sich stärker von der Themenhoheit einiger weniger amerikanisch dominierter Fachzeitschriften zu befreien oder in boomenden Schwellenländern das Bewusstsein für eine kompetentkritische Berichterstattung über Forschung und Technologie zu schärfen. Auch aktuelle Trends werden hier diskutiert.
Dieses Buch ist ein ambitioniertes Vorhaben. Erstmals wird versucht, den Wissensstand über eine spezielle Form des Journalismus aus vielen unterschiedlichen Disziplinen zusammenzutragen und damit Interessengebiete einer deutschen Wissenschaftsjournalistik, die bisher allenfalls in groben Umrissen existiert, zu skizzieren. Dem Anspruch entsprechend haben in der Regel alle vier Herausgeber alle Beiträge begutachtet. Das wiederum bedeutet jedoch nicht, dass die jeweils von den Autoren überarbeiteten Beiträge immer der Meinung aller Herausgeber entsprechen müssen - erschien es doch gerade angesichts eines so umfassenden interdisziplinären Themas angemessen, jenseits der grundsätzlichen Ausrichtung im Einzelfall auch abweichenden Theorien und Perspektiven Raum zu geben.
Dabei ist das Vorhaben zudem noch aus einem anderen Grund ambitioniert: Das Buch ist ein Hybrid-Modell, denn es soll eine Brücke zwischen wissenschaftsjournalistischer Praxis und wissenschaftlicher Reflexion schlagen. Deshalb versammelt es Beiträge von Praktikern und Wissenschaftlern.
Stephan Ruß-Mohl hat einmal gemutmaßt, dass der Wissenschaftsjournalismus wegen seiner Nähe zur Wissenschaft für eine Annäherung zwischen Wissenschaft und Praxis besser geeignet wäre als andere Formen des Journalismus. Er hat gehofft, dass Wissenschaftsjournalisten wissenschaftlichen Reflexionen aufgeschlossener gegenüberstehen als andere Journalisten. Wir hoffen, dass er recht hat. Und wir hoffen umgekehrt auch, dass die Welt der Journalistik und der Kommunikationswissenschaften in ihren Forschungen und ihren theoretischen Konstrukten über den Wissenschaftsjournalismus künftig stärker jenes Wissen und jene Erfahrungen aus den vielfältigen Realitäten in den Redaktionen berücksichtigt.
Kurzum: Mit diesem Buch wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass die Kluft zwischen praktischem Journalismus und den sich mit ihm beschäftigenden Wissenschaftsdisziplinen kleiner wird - im Sinne eines aufgeklärteren Umgangs mit der Welt der Wissenschaft im Journalismus.

Literatur

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I
Von der Wissenschaft und den Wissenschaftlern - Das Berichterstattungsfeld

Wissen ist Macht? - Facetten der Wissensgesellschaft
Peter Weingart

1. Wissens-, Informations- oder Risikogesellschaft?

Wer heute seinen Müll penibel auf ein System farblich differenzierter Abfalltonnen verteilt - schon in der Einbauküche helfen ihm dabei unterschiedliche Behälter -, der wird sich nicht mehr bewusst sein, dass er an einem groß angelegten Erziehungsprogramm teilnimmt. Die Zeiten sind bei uns vorüber, da sich die Menschen unüberlegt ihres Unrats entledigten, wie dies in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas noch heute zu beobachten ist. Die moderne Müllentsorgung reicht von den chemischen Analysen der Abfälle und ihrer Reaktionen untereinander bei der Einlagerung in Deponien, der Brennbarkeit verschiedener Bestandteile, der Wärme- und Abgasentwicklung bei der Verbrennung bis zu den Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Recyclings einzelner Stoffe u.a.m. (Krohn et al. 2002).
Damit diese moderne Entsorgungstechnik realisiert werden kann, sind Verhaltensänderungen in der Bevölkerung eine wesentliche Voraussetzung. Deshalb ist auch die psychologische Bereitschaft zur Mülltrennung Gegenstand von Analysen. Die Umweltpsychologie erforscht die Verhaltensmuster hinsichtlich des Umgangs mit der Umwelt und legt damit die Grundlage zu ihrer Veränderung.
Planung, Bau und Betrieb der neuen Mülldeponien sind ein Paradebeispiel für ein Realexperiment (Krohn et al. 2005). Das heißt: Das gesellschaftliche Handeln - hier die Abfallentsorgung - vollzieht sich als fortwährende wissenschaftliche Reflexion der technischen Möglichkeiten und Risiken sowie der Umsetzung der neu gewonnenen Erkenntnisse. Dies geschieht nicht mehr in der Abgeschiedenheit des Labors, aus der die Wissenschaftler nach Jahren einsamer Forschung an die Öffentlichkeit kommen, sondern in der Gesellschaft, unter den Augen der Öffentlichkeit und ihren Protesten ausgesetzt, die sie zwingen, sich bei der Suche nach technischen Lösungen auch auf die sozialen Einwände einzustellen.
Dies ist nur ein Beispiel dafür, was mit Wissensgesellschaft gemeint ist. Der Begriff, obgleich schon vor 40 Jahren geprägt (Bell 1973; Lane 1966; Stehr 1994), rückt seit einigen Jahren in den Vordergrund medialer und öffentlicher Aufmerksamkeit und hat inzwischen den Begriff der Risikogesellschaft (Beck 1986) verdrängt.
http://europa.eu.int/information_society/index_de.htm